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Grenzen erweitern und ausdehnen

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02/09/2018

Die Arbeit mit Pferden ist oft ein Balanceakt, vor allem bei jungen und unerfahrenen Pferden; Pferden, die korrigiert oder umgeschult werden oder schlechte Erfahrungen gemacht haben; oder wenn wir das Niveau steigern und etwas Neues einführen oder die bereits vorhandene Basis verbessern möchten. Die Liste lässt sich fortsetzen.

Für Lernerfolge müssen wir über das hinaus gehen, was das Pferd bereits kennt. Anfangs kann dies für das Pferd aufgrund der neuen Erfahrung mit etwas Stress verbunden sein. Wichtig ist hier, dass wir auf einer ganz feinen Linie arbeiten und bleiben, auf der das Lernen unterstützt wird, und den Stress nicht weiter erhöhen oder in Angst und Unwohlsein eskalieren lassen.

Wir erreichen dies, indem wir an der Grenze der Komfortzone des individuellen Pferdes entlang arbeiten und diese schrittweise ausdehnen: heute ein bisschen, und morgen ein bisschen mehr, und übermorgen noch etwas weiter.

Stufenweise formen wir die Reaktion des Pferdes auf die neue Aufgabe und/oder Situation und unterstützen das Lernen in einem Umfeld, das für das Pferd sicher ist. Hiermit lehren wir nicht nur die neue Aufgabe, sondern unterstützen allgemein den Aufbau der Beziehung und des Vertrauens des Pferdes in uns als verlässlicher Führungsperson. Indem wir in einer – möglicherweise herausfordernden – Situation ein positives Erlebnis anbieten, unterstützen wir das Pferd auch dabei, selbstbewusst seine Umgebung und den Umgang mit neuen und unerwarteten Situationen zu meistern.

Allerdings ist weniger mehr. Wenn wir zu viel wollen und über das Ziel hinausschießen und damit Widerstand, Abwehr sowie Angst- und Fluchtreaktionen auslösen, können wir Lernen und Vertrauen, Selbstbewusstsein, Sicherheit etc. beeinträchtigen.

Bleiben wir innerhalb dieser Grenzen und arbeiten uns durch leichtes Erweitern und Ausdehnen der Komfortzone voran, indem wir dieses Prinzip bei Bedarf tagtäglich auf den Umgang am Boden und unterm Sattel anwenden, können wir viele Probleme und Konflikte vermeiden und sind möglicherweise überrascht, wie weit wir scheinbar plötzlich gekommen sind.

 

Bild: (c) Budimir Jevtic – Fotolia

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