Sonntagsgedanken

Grundausbildung ist die halbe Miete

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19/08/2018

Oft übereilt, vernachlässigt oder übergangen, haben Grundlagen immensen Wert in der Pferdeausbildung. Sie bilden das Fundament für alles, was folgt, und erleichtern bei korrektem Training oft das Leben. Sie können auch mit viel Spaß verbunden sein, da sie durch große Vielfalt interessant gehalten werden können. Nach meiner Auffassung sind sie zudem angewandter Tierschutz. Sodass wir sie uns die Grundlagen lieber zum Freund machen sollten.

 

Grundlagen beginnen am Boden mit Führen, Putzen und dem Umgang im Allgemeinen und in besonderen Situationen, wie beim Schmied oder beim Tierarzt, dem Verladen zum Transport und dem Einfangen von Pferden auf der Koppel etc.

 

Ebenso sind sie unter dem Sattel von Bedeutung. Ich erinnere mich noch an meine Anfangszeiten im Reiten, wo großer Wert auf die Grundausbildung des Pferdes – und des Reiters – gelegt wurde. Ungeachtet der vorgesehenen Disziplin eines Pferdes, ob in der Dressur, beim Springen, in der Vielseitigkeit, Westernreiten oder einfach zum Freizeitreiten etc., begann die Pferdeausbildung mit der Arbeit am Boden und an der Hand, gefolgt von Grundausbildung in der Dressur anhand der Skala der Ausbildung mit dem Ziel, das Pferd schrittweise aufzubauen, seine Muskeln und Selbsthaltung zu entwickeln, um es als Reitpferd gesund zu erhalten, und ihm das Verstehen der reiterlichen Hilfen beizubringen. Die Zeit, die jedem Pferd zuteil wurde, hin vom Pferd, seiner Persönlichkeit, seiner Veranlagung und seinen Fortschritten ab, und nicht von unserer eigenen Agenda.

 

Wenn jemand bei auftretenden Problemen nach einer schnellen Lösung suchte, beispielsweise der Nutzung eines schärferen Gebisses, wurde er daran erinnert, zurück an die Basis zu gehen und zuerst Ausbildungsfehler und -mängel zu beheben.

 

Einige meiner eigenen Pferde waren “Projekte”, bei denen in der Grundausbildung viel schiefgegangen ist. Und auch wenn ich persönlich die Basisarbeit liebe, ist es manchmal frustrierend, wenn man sich vorstellt, wie weit man bereits sein könnte, wenn andere ihren Job richtig gemacht hätten.

 

Wenn wir uns die Zeit nehmen und die Mühe machen, die Dinge von Anfang an richtig zu machen und ein starkes Fundament zu bilden und der Versuch zu widerstehen, Abkürzungen zu nehmen, wird es sich mittel- bis langfristig auszahlen. Fortschritte ergeben sich aus der Grundlage und kommen mit Leichtigkeit und spätere Probleme werden vermieden.

 

Berücksichtigen wir außerdem das natürliche Verhalten sowie das Lernverhalten von Pferden und konzentrieren uns auf einen gegenseitigen Dialog und den Aufbau einer Beziehung zu ihnen, befinden wir uns auf dem richtigen Weg.

 

Foto: (c) Fotolia – DoraZett

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ISABELL FREUND
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Certified Equine Acupressure Practitioner