Gedanken zu Pferden

„Der Süßeste aller Klänge ist das Lob “ – Xenophon

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08/02/2018

Diese Worte von Xenophon sollten im Zusammensein mit Pferden eines unserer Leitprinzipien sein.

 

Oft ist jedoch das Gegenteil der Fall und die Bedeutung von Lob und Belohnung werden im traditionellen Training häufig vernachlässigt. Stattdessen werden Pferde vorangetrieben, damit wir unsere Ziele erreichen, ohne dass wir ihrem wahren Wesen viel Verständnis oder Beachtung entgegenbringen. Und wenn sie nicht verstehen, was wir von ihnen wollen und sich nicht so verhalten, wie wir es von ihnen erwarten – meist weil wir die Frage falsch oder unklar oder zu früh gestellt haben – erfahren sie weiteren Druck, denn „wir müssen uns durchsetzen“ und „ihnen zeigen, wer der Chef ist“.

 

Mit dieser Ausgangsbasis ist es nicht sonderlich überraschend, dass wir uns so schwer tun, echte Verbindung herzustellen und Harmonie zu erfahren, denn: was hat das Pferd eigentlich davon?

 

Ich stelle mir regelmäßig die Frage, warum wir uns und unseren Pferden das Leben so schwer machen.

 

Unser Umgang könnte so viel leichter und mit mehr Freude verbunden sein, wenn wir Pferde darin unterstützen, ein unerschrockener, selbstbewusster, zufriedener, aufmerksamer und lern- und kooperationsbereiter Partner zu sein.

 

Indem wir großzügig belohnen, leisten wir einen wesentlichen Beitrag, um dies zu erreichen. Selbst wenn sie nur einen Versuch anbieten, der in die “richtige” Richtung deutet, bestärken wir Pferde durch das Anbieten von Lob und Belohnung darin, weitere Versuche zu unternehmen und den nächsten Schritt zu machen.

 

Als netten Nebeneffekt schaffen und stärken wir Vertrauen, da das Zusammensein mit uns Sicherheit bedeutet und damit angenehm ist.

Es bedeutet nicht, dass wir nie Situationen begegnen, die ein gewisses Maß an Stress oder Druck umfassen, sondern es bedeutet, dass wir vor allem eine Quelle der Bestätigung und Bekräftigung sind – nicht des Konflikts – und dass es sicher ist, mit uns in diesen Situationen zu kooperieren, sie zu bewältigen und durchzustehen.

 

Dabei sollten wir dafür sorgen, dass wir nicht „unerwünschtes“ Verhalten oder Fehler belohnen:

 

  • Gutes Timing: indem wir sicherstellen, dass das Pferd das Lob oder die Belohnung mit seinem Verhalten verbindet. Je zeitnaher, die Belohnung zu dem gewünschten Verhalten erfolgt, umso stärker ist die Assoziation von Verhalten und Belohnung.

 

  • Belohnung von Versuchen: das Aufteilen von Aufgaben in kleine, leicht erreichbare Schritte. Indem wir für das Pferd Erfolgserlebnisse schaffen, erreichen wir das Endziel am Ende schneller.

 

  • Klarheit: wir sollten bei unserer Kommunikation klar darin sein, was wir möchten, und ebenso klar und präzise, wenn es um das Verhalten oder die Aktivität geht, die wir belohnen, um Verwirrung und mehrdeutige Nachrichten für das Pferd zu vermeiden.

 

Und zu guter Letzt: beende eine Einheit immer mit einem guten Ergebnis. Es ist langfristig besser früher aufzuhören, als zu spät.

 

 

Photo: (c) leszekglasner- Fotolia #172106910

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ISABELL FREUND
IRELAND & GERMANY

Certified Equine Acupressure Practitioner