Gedanken zu Pferden

Es ist Freiarbeit – also muss es pferdefreundlich sein, nicht wahr?

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26/01/2017

Was ein Pferd nämlich unter Zwang tut, (…) das beherrscht es nicht, noch sieht es in irgendeiner Weise schöner aus, als wollte man einen Tänzer durch Peitschen und Stacheln (zum Tanzen) zwingen.

– Xenophon

Da Freiarbeit mit Pferden in den letzten Jahren an Beliebtheit stark zugenommen hat, sieht man Darbietungen dieser Art vermehrt auf sozialen Medien und in Videoclips. Ich schaue mir diese selbst gerne an, wenn sie Kommunikation, Verbindung und Harmonie repräsentieren; oft tun sie dies jedoch nicht.

Während es einerseits schön ist zu sehen, dass pferdefreundlichere Methoden und der Wunsch der Menschen nach pferdegerechter Ausbildung an Beliebtheit zunehmen, müssen wir vorsichtig sein, was wir als solches akzeptieren.

Die meisten Präsentationen von Pferden, die frei und ohne Ausrüstung gearbeitet werden, sind von anerkennenden und Beifall spendenden Kommentaren begleitet. Manchmal finde ich mich selbst in Bewunderung und wünschte, ich könnte einige Zeit hinter den Kulissen verbringen, um zu sehen, was dort getan wird, um mein Wissen zu erweitern und meine eigene Arbeit zu verbessern, sowie um die endgültige Bestätigung zu erhalten, dass das die Vorstellung eine ehrliche Repräsentation des Trainings darstellt. Zu anderen Zeitpunkten bin ich mit diesen Kommentaren nicht so sehr einer Meinung und sehe keine bewundernswerte Arbeit.

Meine Wahrnehmung sagt mir etwas anderes. Und bevor ich meinen denkenden und analytischen Verstand zu Wort kommen lasse, erklärt mein Körper durch Spannungsgefühle in verschiedenen Gegenden, dass dies nicht ist, was es zu sein vorgibt. Diese Gefühle werden oft durch einen genaueren Blick auf den Ausdruck und die Körpersprache des Pferdes, seinen Gesichtsausdruck, die Körperspannung, das Schlagen mit dem Schweif, etc. sowie die subtilen Zeichen und Signale des Menschen und die Reaktionen des Pferdes bestätigt. Was ich in diesen Fällen sehe, ist oft nicht das Ergebnis von ethischer und achtsamer Ausbildung, bei der die Interessen des Pferdes im Zentrum stehen. Es zeigt keine echte Verbindung und Kommunikation zwischen Mensch und Pferd.

Eine Darbietung von Freiarbeit ist nicht zwingend gleichzusetzen mit pferdefreundlicher Arbeit. Diesem Irrtum unterliegen wir wohl, weil die vermeintliche „Freiheit“ mit Freiwilligkeit gleichgesetzt wird. Doch dieser Eindruck kann täuschen. Pferde möchten sich sicher fühlen. Um dies zu erreichen, werden sie mit uns kooperieren, wenn wir ihnen die Möglichkeit geben, die Aufgaben zu verstehen und Fehler zu machen. Dies beinhaltet auch die Möglichkeit, „Nein“ zu sagen. Hieraus kann Harmonie und Leichtigkeit auf der Basis einer echten Verbindung wachsen, wenn wir ihnen ihre Persönlichkeit lassen. In gleichem Maße können wir sie jedoch auch mit starkem Druck und Zwang dazu bringen, dass sie unsere Forderungen erfüllen und befolgen. Es ist dann ein Ort der Furcht und Angst, der sie dazu bringt, sich uns zu unterwerfen. Ich werde dabei immer an eine Marionette oder einen Roboter erinnert. Schönheit, die sich erst im Ausdruck der gesamten Persönlichkeit des Pferdes findet, ist es nicht.

Mir ist bewusst, dass es schwierig ist, Vermutungen über den Rest des Lebens eines Pferdes auf der Basis einer Vorstellung zu treffen, und dass der Eindruck täuschen kann. Allerdings können wir durch genaues Hinsehen und Hinhören, einige Hinweise erhalten, insbesondere dann, wenn diese Darbietungen von einem Ausbilder und Trainer zur Vermarktung seiner oder ihrer Leistungen genutzt werden.

Ich frage mich oft, welche Aspekte diese Arbeit in uns Menschen berührt, dass sie solchen Jubel hervorbringt (und habe ein paar Gedanken dazu, die ich vielleicht an anderer Stelle teilen werde…); und warum diejenigen, die eine echte Bindung zu ihren Pferden aufbauen, häufig weit weniger Anerkennung erlangen: die Darbietung ist vielleicht nicht so spektakulär, aber man kommt möglicherweise in den Genuss authentischer Kommunikation und Verbindung, eines zufriedenen und entspannten Pferdes, einer Beziehung, in der sowohl das Pferd als auch der Mensch eine Stimme haben, und Arbeit, bei der das Wohlergehen des Pferdes an erster Stelle steht. Was daraus resultiert, ist die Darbietung natürlicher Schönheit der Verbindung zwischen Pferd und Mensch.

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2 Comments
  1. Antworten

    Stefanie Wegmann

    30/08/2017

    Sehr schön geschrieben liebe Isabell,
    vor zwei Wochen war ich erst bei einem Kurs mit Arien Aguilar, der genau dieses Thema „Wie frei ist Freiarbeit?“ in diesem Jahr in seinen Kursen behandelt.
    Im Gespräch darüber haben die Kursteilnehmer und er sich auch auf die Definition geeinigt, dass das Pferd die Freiheit hat zu entscheiden, dann aber ggf. auch mit der Konsequenz der Entscheidung konfrontiert ist.
    Liebe Grüße
    Stefanie

    • Antworten

      Isabell

      01/09/2017

      Hallo Stefanie,
      danke für den netten Kommentar! Interessante Definition, ja.
      Liebe Grüße

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ISABELL FREUND
IRELAND & GERMANY

Certified Equine Acupressure Practitioner