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05/09/2016

Viel und oft ist die Rede vom Vertrauen des Pferdes in uns und wie wir dieses aufbauen und gewinnen. Wir sind auf der Suche nach Techniken und Methoden, Ausbildungsmitteln und angemessenen und geeigneten Wegen, damit sich das Pferd sicher fühlt und sein Vertrauen in den Menschen gestärkt wird. Und versteht mich nicht falsch: das ist wundervoll und absolut notwendig!

Doch… wie steht es eigentlich um unser eigenes Vertrauen? Unser Vertrauen im Allgemeinen und in die Pferde? Wie in jeder Beziehung ist das Vertrauen von beiden Beteiligten nötig. Wie können wir das Vertrauen des Pferdes erwarten, wenn wir selbst nicht vertrauen: in das Pferd, in uns selbst, in unsere Umgebung, in das Leben, etc.?

Einer der Gründe, warum wir unseren Fokus diesbezüglich auf das Pferd verlegen, könnte in der Natur des Pferdes liegen. Als Beutetier, das dazu neigt, in angstauslösenden Situationen mit Flucht zu reagieren, ist es offensichtlich, dass wir das Vertrauen des Pferdes entwickeln müssen, um ihm zu erleichtern, seine natürlichen Instinkte in unbekannten Situationen zu überwinden. Jedoch bedeutet dies nicht, dass wir grundsätzlich mit einem höheren Grad an Vertrauen ausgestattet sind. Viele von uns tragen eine Reihe von Ängsten und Unsicherheiten mit uns herum. Nur haben wir gelernt, diese zu verstecken und zu verschleiern; manchmal sogar gegenüber uns selbst.

Diese Vorgehensweise mag gut in unserem menschlichen Umfeld funktionieren und kann in bestimmten gesellschaftlichen Zusammenhängen sogar notwendig sein. Allerdings steht es uns bei der Arbeit mit Pferden im Weg. Aufgrund ihrer feinen sensorischen Wahrnehmung sind sie in der Lage, die feinsten Signale aufzugreifen, die wir in unsere Umwelt ausstrahlen. Möglicherweise hast Du selbst bereits erlebt, wie sich ein scheinbares Problem mit einem Pferd in dem Moment in Luft auflöst, in dem Du eine Form der Kontrolle oder Anspannung loslässt, an der Du aus Angst und fehlendem Vertrauen in das Pferd festgehalten hast.

Bei der Arbeit mit Pferden steht Sicherheit natürlich immer an erster Stelle. Wir müssen eine Form der ‘Kontrolle’ über die jeweilige Situation haben, damit weder wir noch unser Pferd zu Schaden kommen. Von welchem Platz üben wir jedoch dieses ‚Kontrolle’ aus? Ist diese von Angst und Sorge geprägt oder handelt es sich um eine entspannte und selbstsichere Geisteshaltung, die Vertrauen in das Pferd und in uns selbst hat, sich aber gleichzeitig der Grenzen und Risiken der jeweiligen Situation bewusst ist. Wenn wir unruhig und ängstlich sind, wird das Pferd dies wahrnehmen und darauf reagieren. Wenn wir in die Fähigkeiten und Möglichkeiten des Pferdes Vertrauen haben (während wir uns der Umstände des jeweiligen Pferdes und der gegebenen Situation bewusst sind), geben wir dem Pferd die Freiheit und Gelegenheit auf die daraus resultierenden Gefühle der Gelassenheit und Sicherheit zu reagieren. Das Pferd wird darin bestärkt, dass es sicher ist, den nächsten Schritt zu gehen.

Wenn wir:

  • unseren Pferden vertrauen;
  • Aufgaben von ihnen abfragen, zu deren Ausführung sie mental und physisch in der Lage sind, ohne Schaden zu nehmen; und
  • ihnen dabei erlauben, Fehler zu machen, für die sie nicht bestraft werden, sondern wir erneut und mit mehr Klarheit ‚fragen‘; bildet dies die Grundlage für die Entwicklung des Vertrauens unserer Pferde.

Vertrauen ist keine Einbahnstraße.

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ISABELL FREUND
IRELAND & GERMANY

Certified Equine Acupressure Practitioner