Gedanken zu Pferden

Herzensverbindung mit Pferden nicht nur pure Sentimentalität

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01/09/2016

Wir leben in einer Welt, in der es uns nicht immer leichtfällt, offen über Herzensangelegenheiten zu sprechen. Dies umfasst auch Energien sowie Beziehungen und feine Formen der Kommunikation, die nicht nur zwischen Menschen stattfindet, sondern auch zwischen Menschen und Tieren und in der Tat allen Lebensformen. Auch wenn wir in bestimmten Gruppen und Kreisen ein hohes Bewusstsein und Wertschätzung für diese Gegebenheiten vorfinden, so hat doch ein Großteil der Gesellschaft, einschließlich der Pferdewelt, keinen Raum für diese Vorstellungen in ihrem täglichen Leben und in ihren Aktivitäten oder nur bis zu einem gewissen Grad.

Während man viele Berichte und Erzählungen über die starke Verbundenheit zwischen Menschen und Pferden und die besondere Beziehung findet, die zwischen uns besteht und die viele von uns selbst erlebt und erfahren haben, scheinen diese oft in das Reich der Anekdoten verbannt zu werden. Wir fragen selten, was die eigentliche Basis dieser Art von Beziehungen bildet; ob es einen Weg gibt, um diese zuverlässiger zu wiederholen; was wir tun können oder was wir ändern müssen, um zu einer Verbesserung unserer Verbindungen insgesamt beizutragen; etc.

Aufgrund des großen Schwerpunkts auf materiell messbaren Werten, Ergebnissen und äußeren Erfolgen sowie Techniken, Methoden und Systemen, die es für fast ausnahmslos alles zur Anwendung gibt, vergessen oder übersehen wir oft, die subtileren Wege und Zeichen in unseren Interaktionen. Wege, die eher auf ein ‘Sein’ als auf ein ‘Tun’ gestützt werden und die vermehrte Empathie, Intuition und Sensibilität anstelle unserer intellektuellen Kapazitäten erfordern, damit sich die Dinge natürlich entfalten können, anstatt unter unserer Kontrolle und Anleitung des Ergebnisses.

Es ist deshalb schön zu sehen, dass Dinge und Gegebenheiten, von denen sensible, empathische und intuitive Seelen alleine aufgrund ihres Wesens wussten, dass es sie gibt, zum Gegenstand von Forschung und Studien werden und von der Wissenschaft bestätigt werden. Dies beinhaltet auch die tiefgehenden und bereichernden Beziehungen, die wir zu unseren Pferden haben. Mehr und mehr wissenschaftliche Studien kommen zu Schlussfolgerungen und bestätigen Tatsachen, die Menschen, die stark auf das Wesen dieser Tiere eingestimmt sind, bereits gefühlt oder wahrgenommen haben, wussten, erlebten, etc.

Das energetische Herz

Forscher am HeartMath Institute erforschen die Intelligenz des Herzens seit einigen Jahren. Über die vitale Funktion des Herzens als dem Organ, das lebensspendes sauerstoff- und nährstoffreiches Blut durch unsere Körper pumpt, hinaus, zeigen sie auf, dass unser Herz auch eine bedeutende Rolle in unseren geistigen, emotionalen und physischen Prozessen spielt: das Herz ist ein sensorisches Organ und fungiert als komplexes Rechen-und Verarbeitungszentrum, das uns ermöglicht, zu lernen, uns zu erinnern und unabhängige funktionelle Entscheidungen zu treffen.

Die Forschung des Instituts hat erwiesen, dass das Herz das größte elektromagnetische Feld im Körper generiert. Noch beeindruckender ist, dass das elektrische Feld des Herzens eine etwa 60-mal größere Schwingungsweite aufweist, als die vom Gehirn generierte elektrische Aktivität. Unter Einsatz sensibler Magnetometer können diese kraftvollen elektromagnetischen Felder mehrere Meter vom Köper einer Person und zwischen zwei Personen, die sich in unmittelbarer Nähe befinden, erkannt und gemessen werden.

Das kohärente Herz

Häufig ist auch von “Kohärenz” und dem „kohärenten Herzen” die Rede. Kohärenz bezieht sich in jedem System – vom menschlichen Körper bis hin zu gesellschaftlichen Angelegenheiten – auf eine logische, geordnete und harmonische Verbundenheit zwischen Teilen eines Systems oder zwischen Menschen. Die Kohärenz des Herzrhythmus verweist auf eine bestimmte Beurteilung der Herzrhythmen, die als gleichmäßige, geordnete Muster ähnlich einer Sinuskurve erscheinen. Dies steht in Verbindung mit unseren Emotionen, die in diesen Mustern des Herzrhythmus abgebildet werden. In einem kohärenten Zustand wird praktisch keine Energie verschwendet, da unsere Systeme optimal arbeiten und Synchronisierung zwischen den Herzrhythmen, dem Atmungssystem, dem Blutdruck, etc. stattfindet. Auch wenn es sehr einfach klingen mag: ein Weg zu persönlicher Herzkohärenz besteht in der gewollten Selbstgenerierung positiver Gefühle wie Mitgefühl, Achtsamkeit, Anteilnahme, Liebe und ähnlichen Emotionsarten.

Horse love

Energetische Kommunikation zwischen Menschen sowie zwischen Menschen und Tieren

Forschung, die am HMI ausgeführt wurde, deutet außerdem daraufhin, dass das Feld des Herzens ein bedeutender Informationsträger ist. In mehreren Studien wurde aufgezeigt, dass die vom Herzen generierten magnetischen Signale die Kapazität haben, Personen um uns herum zu beeinflussen: es wurde festgestellt, dass eine unmittelbare Beziehung zwischen den Mustern des Herzrhythmus und den spektralen Informationen besteht, die im Frequenzspektrum des magnetischen Felds verschlüsselt sind, die vom Herzen ausgestrahlt werden. Das heißt, dass Informationen über den emotionalen Zustand einer Person im magnetischen Feld des Herzens verschlüsselt sind und durch den Körper in die äußere Umgebung kommuniziert werden.

Diese Informationen bilden dann einen wesentlichen Bestandteil energetischer Kommunikation, von der man der Auffassung ist, dass es sich um eine natürliche Fähigkeit handelt, die das Bewusstsein erhöht und wichtige Aspekte echter Empathie und Sensibilität an andere vermittelt. Offenbar steht die Sensibilität hinsichtlich dieser Form der energetischen Kommunikation zwischen Personen mit der Fähigkeit zur emotionalen und physiologischen Kohärenz in Verbindung. Die Daten deuten darauf hin, dass Personen, die sich in Kohärenz befinden, sensibler für den Empfang von Informationen sind, die in den von anderen Personen generierten magnetischen Feldern enthalten sind. Darüber hinaus sind die internen Systeme während physiologischer Kohärenz stabiler, effizienter und strahlen elektromagnetische Felder aus, die eine Struktur mit verstärkter Kohärenz aufweisen.

Die Forscher stellten außerdem fest, dass eine Art Herzrhythmussynchronisierung bei Interaktionen zwischen Menschen und Tieren stattfinden kann. Besondere Beispiele umfassten einen Jungen mit seinem Hund sowie eine Frau, die sich in einem Paddock mit ihrem Pferd ohne physischen Kontakt aufhielt. Die Frau wechselte ganz bewusst in einen kohärenten Zustand und als sie dies tat, verlagerte sich der Herzrhythmus des Pferdes ebenfalls in ein regelmäßigeres Muster.

Herzensverbindung mit Pferden
Die erste Pilotstudie mit Pferden deutete darauf hin, dass das Muster der HRV (Herzrhythmusvariabilität) eines Pferdes seinen inneren Zustand widerspiegelt, und dass Pferde auf Änderungen menschlicher Emotionen sensibel reagieren, was in einer Änderung der HRV-Muster des Pferdes abgebildet wird. Es ist wahrscheinlich, dass diese emotionale Verbindung durch eine energetische Form der Kommunikation vermittelt wird.

Die Forschung mit Pferden wurde ausgedehnt und die gesammelten Daten deuteten darauf hin, dass sich Pferde – anders als Menschen – fast immer in einem Zustand der Kohärenz befinden, und dass Pferde, wenn sie die Kohärenz verlassen, schnell wieder dorthin zurückfinden.

Es wurden weitere Experimente durchgeführt, bei denen Zweiergruppen aus Pferden und Menschen gebildet wurden, wobei es sich dabei sowohl um den Pferden vertraute als auch fremde Menschen handelte. Wenn sich die Menschen einem Zustand verstärkter Kohärenz näherten, offenbarten die Daten messbare „Reaktionen des Energiefeldes“ der Pferde. Jedes Mal, wenn die Person in der Reitbahn mit einem frei laufenden Pferd begann, Gedanken und Gefühle der Wertschätzung zum Pferd zu senden, blickte das Pferd diese Person direkt an. Dies passierte auch dann, wenn sich das Pferd sechs oder mehr Meter entfernt befand. Laut HeartMath steht das Gefühl der Wertschätzung beim Menschen tatsächlich in Verbindung mit dem Zustand der Kohärenz. Interessanterweise schien die Vertrautheit mit der Person weniger relevant zu sein. Der Rhythmus der HRV der Person war wichtiger als die bestehende Beziehung.

Weitere Analysen zeigten, dass das Pferd seinen Rhythmus mit sehr niedriger Frequenz auf den Menschen übertrug. Aus den Forschungsergebnissen wurde als wahrscheinlich geschlossen, dass der kohärente Zustand der Pferde die Menschen stärker beeinflusst, als dies umgekehrt der Fall ist. Es scheint, dass sie uns bei der Resonanz/Einstimmung zu mehr Kohärenz unterstützen.

Gleichzeitig können wir sehen, dass das gleiche Pferd auf jeder Person, mit der es in Berührung kommt, anders reagiert. Es wurde für möglich gehalten, dass Pferde sehr feine Energiefelder wahrnehmen, interpretieren und darauf reagieren, mit denen sie in Kontakt kommen. Danach ergibt es Sinn, dass sie, wenn sie insgesamt ein Gefühl der Gelassenheit wahrnehmen, gelassen reagieren. Wenn das kollektive Gefühl Furcht ist, spüren sie möglicherweise Furcht und beginnen, darauf zu reagieren.

Bedeutung für unsere Interaktionen mit Pferden

Wir benötigen nicht zwingend Forschung, um zu wissen, dass Pferde auf unsere Emotionen reagieren, und um dies in unseren Interaktionen mit ihnen zu berücksichtigen. Allerdings ist es schön zu sehen, dass unsere Erlebnisse und Erfahrungen von wissenschaftlicher Forschung gestützt werden, und wir weitere Bestätigung und Einblicke in die zugrundeliegenden Kräfte erhalten, die möglicherweise am Werk sind. Selbst wenn einige der Ergebnisse noch nicht abschließend bestätigt wurden, sondern vielmehr Hinweise und Vermutungen darstellen, geben sie gute Anhaltspunkte, warum so viele von uns Interaktionen mit Pferden als außerordentlich heilsam und insgesamt hilfreich für unser Wohlergehen empfinden.

Aber was bringen wir eigentlich zum Pferd? Nach meinem Wissen wurden die vorgenannten Forschungsbemühungen und -ergebnisse in den Feldern von pferdegestützter Ausbildung und Coaching, therapeutischem Reiten, etc. wohlwollend entgegen und zur Kenntnis genommen, erhielten jedoch recht wenig Aufmerksamkeit in anderen Bereichen der Pferdewelt.

Wir könnten große Fortschritte machen, würden diese Aspekte in all unseren Aktionen mit Pferden in jedem Umfeld und in allen Disziplinen berücksichtigt und genutzt; nicht nur als Anekdoten und etwas, über das man schöne Geschichten erzählen kann. Würden wir dieses Wissen umfassend einsetzen, könnten wir lernen, bewusst ein energetisches Umfeld zu schaffen, das die Verbesserung unserer Arbeit mit Pferden unterstützt; das gelassene und harmonische Interaktionen mit Pferden erleichtert; und das stressfreies Lernen und Verstehen weiter fördert.

Ich würde gerne sehen und erleben, dass:

  • wir uns unserer Kohärenz (oder des Fehlens derselben) stärker bewusst werden, wenn wir mit Pferden arbeiten, und wie unsere Gemütsverfassung die Pferde zu jedem Zeitpunkt beeinflusst;
  • wir Verantwortung für unsere Emotionen und dafür übernehmen, was wir nach außen tragen, und gegebenenfalls Korrekturmaßnahmen ergreifen;
  • wir bewusst anstreben, einen Zustand der Kohärenz zu erreichen, wenn wir mit Pferden interagieren;
  • es normal ist, dass wir von einem inneren Platz der Achtsamkeit und Anerkennung gegenüber dem Pferd arbeiten, welcher die Schaffung eines Umfeldes unterstützt, in dem sich das Pferd sicher fühlt, seine Neugier auszudrücken und ein vertrauensvoller, selbstbewusster Partner zu sein.

Und abschließend ist nicht zu vergessen, dass das Vorstehende natürlich für alle Interaktionen mit unserer Umwelt gilt, nicht nur mit Pferden.

Literaturverweise:

  • McCraty, The Energetic Heart: Bioelectromagnetic Interactions Within and Between People, 2003
  • Walters / Baldwin; Horses, Humans and the Frequencies of Connection, 2011
  • McCraty / Atkinson / Tomasino / Tiller, The Electricity of Touch: Detection and Measurement of Cardiac Energy Exchange Between People, 1998
  • Science of the Heart Exploring the Role of the Heart in Human Performance
  • “New meaning to “Horse Sense””, Newsletter HeartMath Institute, Frühjahr 2006
  • Gehrke / Baldwin / Schiltz, Heart Rate Variability in Horses Engaged in Equine-Assisted Activities, Journal of Equine Veterinary Science 31, 2001
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ISABELL FREUND
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Certified Equine Acupressure Practitioner