Gedanken zu Pferden

Verbindung durch Stille

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13/07/2016

Viele von uns suchen nach einer speziellen Verbindung, sei es mit Pferde oder über eine andere Passion. Ohne auf die Gründe hierfür einzugehen, bin ich der Auffassung, dass der Schlüssel für ein besseres Verständnis von Pferden in unserem Verhältnis zur natürlichen Welt insgesamt liegt.

In einer Gesellschaft, in der wir unsere Umwelt als Ressource nach ihrem materiellen Wert bemessen, die wir nach Belieben zu unserem eigenen Nutzen und Vorteil ausbeuten können, können viele von uns in ihrer Beziehung zu anderen Geschöpfen und der Welt als Ganzes nicht mehr darüber hinaus sehen. Auch wird eine tiefere Verbindung aufgrund des Verständnisses und der Überbewertung wissenschaftlich messbarer Ergebnisse und Beobachtungen als einzige Form der ‘Wahrheit’ und ‘Realität’ nicht gefördert. Der menschliche Verstand – mit seiner zweifelsfrei unglaublichen Kapazität – wird zum Zentrum von allem, vergisst jedoch eine ganze Reihe anderer Wege, um die Welt zu erleben. Würden wir uns daran erinnern, die feineren und weitreichenderen Nuancen um uns herum zu sehen und zu fühlen, nicht nur mit unserem Verstand, sondern auch mit unseren Körpern und all unseren Sinnen, könnten wir ein ganz neues Erleben auch in der Zeit entdecken, die wir mit unseren Pferden verbringen. Wir könnten uns einer umfassenderen, reichhaltigeren und somit ehrlicheren Verbindung zu Pferden öffnen, die nicht vorrangig auf unseren Verstand mit seinen vorgefassten Ideen und Agenden gestützt wird, was vorranging eine ziemlich technische Herangehensweise zur Folge hat, der es an Herz und Seele sowie der Weisheit mangelt, die wir in unseren Körpern mit uns tragen.

Buddhafigur

Wenn wir dies betrachten, ist es nicht überraschend, dass ein wichtiger Schritt zum Finden dieser Verbindung darin liegt, ‘unseren Verstand aus dem Weg zu räumen‘. Durch die Entwicklung eines ruhigen Verstandes schaffen wir die Grundlage für einen freien Fluss von Informationen zwischen uns und der natürlichen Welt, Pferde eingeschlossen. Da viele von uns so daran gewöhnt sind, in unseren Köpfen zu ‚leben‘, durch die unerlässlich Gedanken strömen, ist es manchmal nicht so einfach, dieses Stadium zu erreichen.

Meditation ist beispielsweise ein Weg, um das Loslassen unserer Gedanken zu erlernen und uns unseres Selbst als Ganzes im jetzigen Moment bewusst zu werden.

Ich persönlich liebe die Methode zur Entwicklung eines ruhigen Verstandes durch die ‘Sitzplatz‘-Praxis. Dein Sitzplatz ist ein Ort in der Natur, zu dem Du eine Beziehung aufbaust, indem Du ihn zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten aufsuchst. (Vorzugsweise befindet sich dieser Ort nicht weit, von Deinem Wohnort, da Du ihn sehr oft, wenn nicht gar täglich, besuchen möchtest. Wenn Du in einer Stadt lebst, kann es sich um einen Baum vor Deinem Balkon oder Ähnliches handeln.) An diesem Ort verbringst Du Zeit in innerer Stille und lässt die Gedanken zur Ruhe kommen, woraufhin Du beginnst, Deine Umgebung mit allen Sinnen wahrzunehmen, ohne über sie nachzudenken und zu beurteilen. Nutze Deine Sinne wie Hören, Fühlen, Riechen etc., einen nach dem anderen, und frage Dich, was Du wahrnimmst. Auf diese Weise lernst Du einen Platz sehr persönlich und sehr genau bei allen Wetterlagen und in jeder Jahreszeit kennen, und Du erfährst, was dort wächst und wer noch dort lebt. Dies alles unterstützt Dich beim Öffnen Deiner Sinne und feinen Wahrnehmung, die Dich dann zu einem ganz neuen Niveau der Kommunikation mit der Welt um Dich herum führen.

Indem Du in diesem Bewusstseinszustand Deinen Pferden begegnest, bereitest Du eine ganz neue Basis, die tiefes Verständnis, Empathie und Mitgefühl umfasst. Es geschieht in dieser Stille, dass wir echte Verbindung erleben, in der sich wahrgenommene Grenzen auflösen und wir das Pferd vor uns wahrnehmen und erspüren, wie es ist. Ich selbst erlebe es als wirklich großartig, erfüllend und bereichernd, meine Beziehungen mit Pferden auf dieser Ebene aufzubauen.

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