Gedanken zu Pferden

Pferde sehen, wie sie sind.

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23/07/2016

Freundlichkeit und aufgeschlossene Neugier sind es, die uns helfen, Grenzen zwischen verschiedenen Arten zu überwinden und Brücken zu bauen – und dass nebenbei nicht nur zwischen Arten, sondern auch zwischen Rassen, Kulturen, Religionen, Nationalitäten, Geschlechtern, etc.

Ich habe vor kurzem einen Artikel über die ‚neue’ Wissenschaft der Emotionen von Tieren und das Problem des Anthropomorphismus gelesen: die Zuschreibung menschlicher Eigenschaften, Emotionen und Absichten zu nicht menschlichen Wesen. (http://nymag.com/…/the-scientific-case-for-anthropomorphism…).

Die Nutzung anthropomorphischer Sprache wurde von der Wissenschaft traditionell vermieden und sogar belächelt, da man der Auffassung war, dass es einem Forschungsprojekt, das suggerierte, dass Tiere auf die gleiche Weise wie Menschen denken und fühlen könnten, an Objektivität mangele. Glücklicherweise verändert sich die Welt in dieser Hinsicht dank Wissenschaftlern wie Frans de Waal, Carl Safina, Marc Beckoff, etc.

Ich bin ebenfalls der Auffassung, dass es nicht richtig ist zu sagen, dass Tiere ‚genau wie wir sind‘. Jedoch können wir ihnen gleichermaßen nicht ihre Gefühle und Emotionen und ihr Bewusstsein absprechen. Und jeder von uns, der eng mit einem Tier zusammengelebt und Beziehungen zu ihnen aufgebaut hat, weiß dies üblicherweise.

Ich persönlich sehe ein noch größeres Problem im Anthropozentrismus: die Auffassung, dass Menschen der Mittelpunkt der Realität in dem Sinne sind, dass sie einen höheren moralischen Status oder Wert als alle anderen Organismen haben, oder dass die Realität ausschließlich aus menschlicher Perspektive beurteilt wird (https://en.wikipedia.org/wiki/Anthropocentrism); welcher in unserer modernen Kultur und Gesellschaft tief verankert ist. Es gab und gibt Kulturen und Gesellschaften, die eine weitaus gesündere Beziehung und Verbindung zu nicht menschlichen Lebensformen unterhielten, als wir dies tun, und wir könnten einiges von ihnen lernen, würden wir unsere vermeintlich überlegene Stellung aufgeben. Dies würde nicht nur anderen Arten zugutekommen, sondern auch uns Menschen als den fühlenden, denkenden und empfindungsfähigen Wesen, die wir sind.

Wann beginnen wir damit, Tiere (und die gesamte ‚natürliche’ Welt) wieder als das zu sehen, was sie sind? Wann werden wir bescheiden genug sein, um all ihre Kapazitäten und Fähigkeiten anzuerkennen und zu respektieren und unsere Beziehungen zu ihnen auf dieser Basis aufzubauen, anstatt auf einer Basis menschlicher Beherrschung und Kontrolle?

Nach meiner Erfahrung ist es dies, was benötigt wird, um die authentischen und erfüllenden Verbindungen und Beziehungen zu unseren Pferden zu erreichen, nach denen so viele von uns streben und suchen: die Pferde als das zu sehen, was sie sind, nicht Menschen in Pferdegestalt, sondern empfindungsfähige Wesen mit eigenständigem Bewusstsein, Emotionen und sozialen Bedürfnissen und Verhaltensweisen.

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ISABELL FREUND
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Certified Equine Acupressure Practitioner